makaberes

Freitag, 17. Juni 2005

Mutter unser

Zu diesem Gedicht gab es schon kontroverse Diskussionen. Aus diesem Grund
interessiert es mich sehr, wie Ihr es empfindet. Es ist "intuitiv" geschrieben
und vielleicht muss man es eher durchLESEN, als DURCHlesen :-) Es führt weg
von der rationalen Denke und wendet mit seinen Bildern ausschließlich an das
Gefühl. Es ist ein wenig provokant, richtet sich aber nicht an spezielle Personen.
Dies nur vorweg:

Mutter unser

Mutter unser
die du bist in der Zeit
man hört die Nadeln fallen
hinter dem Rauschen
der verbrauchten Stunden.
Sie fallen wie Steine.

Die eigene Brust entfernter
als meine ausgestreckte Hand
wer wird noch sagen können
wem sie gehörte
wenn auch sie fällt
als gelte es, die Erde zu spalten?
Ich werde den Tee wie immer trinken
und keine Schlucke üben.

Ein Mund voll Seife ist besser
als einer voll Dreck.
Wer sauber ist, hat Recht.
Und Dreck ist schließlich anderswo
als Tanten und Väter und Arbeitszeit.

Die Nadeln fallen wie Steine
herab auf die lachende Menge
als hätte jeder
kurz vor dem Aufprall
noch einen Witz zum Besten gegeben.
Sie fallen in bestellter Menge
herab auf wartende Schädel.

Mutter unser
dein ist die Schwäche
und die Ohnmacht
und die Dämlichkeit
in Endlichkeit.

Amen

Samstag, 11. Juni 2005

Der Mettkönig

Es handelt sich hier, man möge mir vergeben, wieder um ein recyceltes Werk aus der Frühzeit meines Bloggerdaseins. Ich finde es aber nach wie vor nicht ununterhaltsam, wenn auch ein wenig fleischlastig.

Der Mettkönig

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Metzger mit einem Rind;
er hält ein Schnitzel wohl in dem Arm,
und stopft die Würste in den Darm.

Mein Ochs, was birgst du so bang dein Gesicht? –
Siehst Metzger, du den Mettkönig nicht?
Den Mettkönig mit seinem zwiebligen Fell? –
Mein Ochs, es ist der Metzgergesell.

„Du liebes Rind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Tiere töt’ ich mit dir;
Manch leck’rer Braten wartet auf dich,
meine Mutter macht tollen Bienenstich.

Mein Metzger, mein Metzger, und hörest du nicht,
Was Mettkönig mir leise verspricht? -
Sei ruhig, bleibe ruhig mein Rind;
In dürren Rippchen säuselt der Wind. –

„Willst, fein’s Öchslein, du mit mir gehen?
Meine Töchter sollen dich mästen schön;
Meine Töchter schlachten dich wie ein Schwein
Und würzen und pökeln und spicken dich fein.“

Mein Metzger, mein Metzger, und siehst du nicht dort
Mettkönigs Töchter gleich vor dem Abort?
Mein Ochs, mein Ochs, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Koteletts so grau. –

„Ich liebe dich, mich reizt deine speckige Falt’;
Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“
Mein Metzger, mein Metzger, jetzt sticht er mich an!
Mettkönig hat mir ein Leids getan! –

Dem Metzger grauset’s, er reitet geschwind,
er zerrt an den Hörnern das ächzende Rind,
erreicht den Schlachthof mit Mühe und Not;
Schießt den Bolzen ins Hirn – das Rind war tot.

Montag, 25. April 2005

APRILSCH(M)ERZ

(Untertitel: Rasante Wetteränderungen und deren lethale Folgen)
(Anmerkung: Erstlingswerk!)

schnee fällt langsam auf die erde
die kälte sticht in meinen ohren
genauergesagt nur im linken
das rechte ist mir abgefroren

hoffnung schimmert am horizont
ein sonnenstrahl fällt durch das grau
ich blicke fröhlich ihm entgegen
und plötzlich wird der himmel blau

nur zehntel sekunden sind verstrichen
die wolken sind auf einmal weg
ich schaue direkt in die sonne
seh nur mehr einen weißen fleck

der weiße fleck wird immer bunter
die augen brennen vor sich hin
ich sehe nichts mehr von der umwelt
hab keine ahnung wo ich bin

manfred und die earthband spielen
"blinded by the light"
anscheinend gibt es einen soundtrack
über meine wenigkeit

ich sehe farben schleimig fließen
es wird wieder bitterkalt
und da man blind viel übersieht
falle ich unsanft auf asphalt

der wind, er trägt ein sanftes bimmeln
an mein rechtes ohr heran
vielleicht kommt da ja der eismann
oder auch die straßenbahn

ich kann mich hier nicht wegbewegen
fühl' kaltes eisen unterm arm
mein ganzer körper ist gelähmt
und es wird plötzlich wieder warm

eisen quietscht und knochen splittern
und blut spritzt mir ins gesicht
leider ist das blut mein eigenes
die straßenbahn hat mich erwischt

mein linker arm ist amputiert
knapp unter dem ellbogen
der oberarm hängt an mir dran
der untere liegt am boden

ich wünschte es wär nur ein traum
doch leider ist es echt
aber zum glück seh ich nichts denn
wenn ich blut seh wird mir schlecht

ich fühle viele kleine stiche
sie erinnern mich an nadeln
am ganzen körper wird es kalt
nun beginnt es wohl zu hageln

das eis wird immer größer, schwerer
donnert vom himmel herab auf mich
die brocken fallen auf meinen kopf
ich glaub mein schädelknochen bricht

ich hab ein loch im kopf, ich spür es
daraus hervor quillt mein gehirn
ich halt es mit der hand zurück
drück voller kraft auf meine stirn

so lieg ich rum und denke nach
ob ich das überleben kann
mein blut auf mir mischt sich mit wasser
nun fängts auch noch zu regnen an

der regen gibt mir neuen mut
ich drehe schwungvoll mich herum
und labe mich am kühlen nass
ich freu mich und ich lebe - BUMM!

ein blitz schlägt ein knapp neben mir
ich denk mir "so ein glück"
nur mein bein ist etwas angesengt
und es kribbelt im genick

es donnert laut die erde bebt
elektrisch knisterts in der sphäre
das gewitter ist direkt über mir
ach, wenn es doch woanders wäre

ein weiterer blitz schlägt krachend ein
und der trifft mich genau
millionen volt rasen durch mich durch
ich leuchte leuchtend blau

das blut gerinnt in meinen adern
ich fühl' den unfassbaren schmerz
gleichzeitig reißt mein brustkorb auf
und es gibt frischluft für mein herz

ich sterbe schnell und explosiv
meine organe lernen fliegen
mein hirn fällt nun aus meinem kopf
und bleibt daneben dampfend liegen

eingeweide und gedärme
fallen rings um mich herab
auf mich drauf und auf den boden
die straße wird zu meinem grab

die sonne brennt auf meine leiche
der kadaver fault und stinkt
fliegen steigen auf und nieder
das motto zum tag: april gewinnt!

© HumanaryStew 2001

liebe genossen!

jawohl, freund, ich habe die liebe genossen
hab mit jeder abgedroschnen "faser
meines körpers" jene possen
mitgespielt und mitgerissen

ich habe die hauchzarten triebe gegossen
die dem ansonsten so grimmigen boden
der grimmigkeit zum trotz entsprossen
"wollte!" hätt´ nicht müssen!

sie hat nicht die habgier der diebe verdrossen
oh nein, denn sie ließ sich breitwillig stehlen
drum hab ich ihr gesicht zerschossen
anstatt sie lebewohl zu küssen

liebe verflossen!

Zum Geleit

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Blasebalg - 18. Aug, 17:57
Danke.....!! Übrigens...i mmer...
Danke.....!! Übrigens...i mmer wenn mich einer siezt...
Schattenlos - 10. Mai, 15:17

Wenn Sie es genau wissen wollen:

Das Dichterland gibt es seit 7085 Tagen, und zuletzt gedichtet wurde am Dienstag, 28. Dezember 2010, 15:12.

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